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Hyperthyreose
 

Schilddrüse
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Kurzinfo: Bei der Hyperthyreose werden mehr Schilddrüsenhormone produziert, als der Körper braucht.
Symptome allgemeine Unruhe, Nervosität, Herzjagen, Gewichtsabnahme trotz starken Appetits, Erhöhung der Körpertemperatur, starkes Schwitzen, Hitzeintoleranz, häufiger Stuhlgang oft mit Durchfall verbunden, Zyklusstörungen, Libido- und Potenzprobleme, Haarausfall, Müdigkeit, Muskelschwäche, Tachykardie, überwärmte, feuchte Haut, brüchige Nägel.
Augensymptome wie: Augenschmerzen, tränende Augen, Lichtempfindlichkeit, Fremdkörpergefühl, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Kopfschmerzen, Exophthalmus (hervortretende Augäpfel).
Therapie Medikamente: Perchlorat-Ionen = die Aufnahme von Jodid in die Schilddrüse wird verhindert. Thiouracile und Mercaptoimidazol-Derivate = die Umwandlung von Jodid in Jod und damit der Einbau von Jod in die Vorstufen der Schilddrüsenhormone wird verhindert. Jodid-Ionen und Jod-Kaliumjodid = die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen wird kurzfristig gehemmt.
Radiojodtherapie: Schilddrüsengewebe durch die Strahlung des Radiojods zerstört.
Operative Entfernung bei bestimmten Indikationen.
Inhaltsübersicht:
Formen
Häufigkeit
Symptome
Diagnostik
Therapie
Top
Formen
Zu viele Hormone der Schilddrüse bewirken einen gesteigerten Stoffwechsel. Bei der Hyperthyreose werden mehr Schilddrüsenhormone produziert, als der Körper braucht. Die Folge ist ein gesteigerter Stoffwechsel des Organismus. Die Ursachen für die Überproduktion können verschiedene Krankheitsprozesse sein. Man unterscheidet in der Praxis, je nach Ursache, verschiedene Formen der Hyperthyreose:

 

Die Unterscheidung, warum zuviel Hormone produziert werden, sind wegweisend für die verschiedenen Formen der Hyperthyreose.
Regelkreis für die Schilddrüsenhormone T3 und T4.
  • Hyperthyreose bei Immunthyreotiden, besonders Morbus Basedow.
  • Hyperthyreose bei anderen Entzündungen der Schilddrüse, z. B. subakute Thyreoiditis de Quervain oder Strahlenthyreoiditis.
  • Hyperthyreose als Folge einer funktionellen Autonomie. Bei der funktionellen Autonomie unterliegt die Hormonproduktion der Schilddrüse nicht den physiologischen Regelmechanismen. Die Produktion ist nicht am Bedarf orientiert. Dabei kann z. B. ein autonomes Geschwulst bzw. ein „heißer" Knoten bilden. Dann wachsen Teile der Schilddrüse tumorartig. Diese Tumore produzieren autonom Schilddrüsenhormone und geben sie in die Blutbahn ab. Bei dieser Form der Hyperthyreose fehlt die Augensymptomatik. Das kann ein wichtiger Unterscheidungspunkt für die Diagnostik sein. Bei der funktionellen Autonomie werden unifokale (=ein Herd, z. B. autonomes Adenom, heißer Knoten), multifokale (=mehrere Herde) und disseminierte (=verstreut liegend) Formen unterschieden.
  • Hyperthyreose durch ein Überangebot an TSH und TSH-ähnlichen Substanzen. TSH ist ein Hormon der Hypophyse, das die Produktion der Schilddrüse anregt.
  • Hyperthyreose aufgrund von Neoplasien. Neoplasien sind Neubildungen von Gewebe. Das bedeutet, die Fehlfunktion der Schilddrüse wird durch Adenome (gutartige Wucherung von Epitelgewebe in der Drüse, die aber auch bösartig werden kann) oder Karzinome (bösartige Wucherung von Epitelgewebe) hervorgerufen.
  • Hyperthyreosen, die durch die äußere Zufuhr von Schilddrüsenhormonen entstanden sind, z. B. Hyperthyreosis factitia.

 

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Häufigkeit
Ältere Menschen sind häufiger betroffen. Wie häufig die Hyperthyreose vorkommt, ist regional sehr unterschiedlich. In der BRD sind immerhin 2,9 bis 6.3 Prozent der 60 bis 80jährigen Frauen betroffen. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt im Alter zu. Bei Kindern kommt eine Hyperthyreose nur sehr selten vor. Die Hyperthyreose ist die zweithäufigste Erkrankung der Schilddrüse.

 

Die Art der Hyperthyreose entscheidet über die richtige Therapie. Bei den auftretenden Hyperthyreosen sind bis zu 65-75 Prozent der Erkrankungen auf Immunthyreotiden, besonders Morbus Basedow zurückzuführen. Immerhin 25-35 Prozent der Erkrankungen entstehen aufgrund einer funktionellen Autonomie. Die meisten anderen Formen der Hyperthyreose sind eher selten. Ihr Anteil liegt jeweils unter einem Prozent der Erkrankungen. Dennoch ist, für eine zielgerichtete Therapie wichtig festzustellen, welche Form der Hyperthyreose bei einem Betroffenen vorliegt.

 

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Symptome
Eine Überfunktion der Schilddrüse wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kann das Krankheitsbild individuell sehr unterschiedlich sein. Es gibt praktisch kein Symptom, das nur für die Hyperthyreose typisch ist, und bei anderen Erkrankungen nicht vorkommen kann. Es können Beschwerden im Bezug auf einzelne Organe im Vordergrund stehen, oder auch mehrere Organfunktionen gestört sein. Deshalb ist es im Einzelfall manchmal schwierig, eine Hyperthyreose direkt zu erkennen. Die Überfunktion der Schilddrüse wirkt sich auf den gesamten Organismus aus, weil gesteigerte Stoffwechselprozesse überall ihre Wirkung zeigen. Wichtig ist auch, daß die Schwere der Symptome sehr unterschiedlich ist. Das hängt davon ab, wie hoch die Hormonwerte über den Normwerten liegen.

 

Leitsymptome bei Hyperthyreose sind vielseitig. Richtungsweisend kann die Vorgeschichte der Betroffenen sein. Viele klagen über Beschwerden wie:

 

Herzjagen, Zittern, hoher Blutdruck, feuchte Haut, feines Haar und brüchige Nägel. Bei der klinischen Untersuchung durch den Arzt steht die Tachykardie (Herzjagen) und die überwärmte, feuchte Haut ganz im Vordergrund. Die Tachykardie ist häufig auch im Schlaf vorhanden. Außerdem Zittern die Betroffenen häufig am ganzen Körper (Tremor) und sind allgemein unruhig. Beim Messen des Blutdrucks ist der zweite Wert erhöht. Man sagt dazu auch systolischer Hypertonus. Die Haut der Betroffenen ist warm, samtartig weich und feucht. Sie neigen zum Schwitzen und bevorzugen kühle Räume und leichte Kleidung. Das Kopfhaar ist oft seidenweich und fällt in vielen Fällen aus. Die Nägel sind brüchig.

 

Es kann zu Masseverlust der Knochen wie bei der Osteoporose kommen. Die Bewegungen des Darmes sind erhöht und es besteht die Neigung zu Durchfällen oder häufigem Stuhlgang. Oft sind auch uncharakteristische Oberbauchbeschwerden zu verzeichnen. Durch einen beschleunigten Knochenumbau kann es zu Knochenmasseverlusten kommen. Dadurch ist die Calciumausscheidung über den Harn erhöht. In Bezug auf das blutbildende System kann die Hyperthyreose zu einer leichten Anämie (Blutarmut) führen.

 

Schwangere müssen besonders intensiv betreut werden. Häufig anzutreffen sind Zyklusstörungen, Libido- und Potenzprobleme. Die Empfängnisfähigkeit ist herabgesetzt. Während einer Schwangerschaft gehen die Beschwerden durch die Hyperthyreose häufig zurück. Allerdings sollten Frauen während der Schwangerschaft unbedingt auf eine intensive Betreuung und Behandlung achten. Bei unzureichender Behandlung kann es möglicherweise zu Fehlgeburten, Früh- und Totgeburten kommen. Auch Mißbildungen des Kindes werden der Hyperthyreose angelastet.

 

Das Nervensystem kann ebenfalls beteiligt sein. Der Gewichtsverlust trotz guten Appetits ist auf einen erhöhten Fettabbau  sowie Wasser- und Eiweißverlust zurückzuführen. Man findet zudem einen niedrigen Cholesterinspiegel. Auch das Nervensystem kann betroffen sein. Dann zeigen sich oft Unruhe, Schlafstörungen und ein feinschlägiger Tremor (leichtes Zittern), Ruhe- und Rastlosigkeit.

 

Augenbeschwerden können ein wichtiges Zeichen bei Hyperthyreose sein. Zur Hyperthyreose gehören Augensymptome wie:
  • Augenschmerzen
  • tränende Augen (wird oft als Glanzauge bezeichnet)
  • Lichtempfindlichkeit
  • Fremdkörpergefühl
  • verschwommenes Sehen
  • Doppeltsehen
  • Kopfschmerzen

 

Oft, aber nicht immer, bildet sich ein Kropf. Ein Kropf, oder Struma, kann ebenfalls vorkommen. Bei ca. 10 bis 20 Prozent der Hyperthyreosen fehlt die Kropfbildung.

 

Morbus Basedow zeigt spezielle Unterschiede. Beim Morbus Basedow findet man zusätzlich zu den genannten Symptomen häufig einen Exophthalmus. Ein Exophthalmus ist ein krankhaftes Hervortreten des Augapfels aus der Augenhöhle, meistens auf beiden Seiten. Bei ungefähr 30 Prozent der Morbus Basedow Betroffenen fehlt allerdings diese Symptomatik. Auch andere infiltrative Zeichen wie Lidödeme und Augenmuskelbeteiligung gehören zum Bild des Morbus Basedow im Gegensatz zur manifesten Hyperthyreose, die nur nichtinfiltrative Augensymptome besitzt.

 

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Diagnostik
Anamnese, klinische Untersuchung und TSH-Test sind zwingend notwendig. Wegweisend ist die Anamnese und die klinische Untersuchung. Mit Hilfe einer Thyreotropin-Bestimmung (TSH-Bestimmung) wird festgestellt, ob eine Fehlfunktion der Schilddrüse vorliegt. Wird eine Fehlfunktion festgestellt, erfolgt eine genaue Bestimmung des T3- und T4-Spiegels.

 

Eine Sonografie macht die Größe der Schilddrüse sichtbar. Bei jedem Betroffenen mit einer Hyperthyreose, eigentlich bei jeder Schilddrüsenerkrankung, muß eine Ultraschall-Untersuchung folgen. Diese Untersuchung erfolgt mit einem speziellen Schallkopf, der über 5 oder noch besser 7.5 MHz verfügt. Die Untersuchung wird auch oft Sonographie genannt. Dieses Verfahren erlaubt Aussagen zur Größe der Schilddrüse. Außerdem kann die Beschaffenheit des Gewebes untersucht werden. Das ist z. B. bei Knoten, Zysten und Verkalkungen wichtig. Auch die Ausdehnung von Knoten kann genau bestimmt werden.

 

Eine Szintigrafie macht die radiaktiven Jodisotope in der Schilddrüse sichtbar. Besteht der Verdacht auf eine Autonomie (vgl. Formen der Hyperthyreose), so muß auch noch eine Schilddrüsenszinitgraphie gemacht werden. Die Szintigraphie ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, bei dem radioaktive Jodisotope in der Schilddrüse sichtbar gemacht werden kann. Deshalb ist dieses Verfahren wichtig, um ganz genaue Aussagen über die Lage, die Größe und die Form des Schilddrüsengewebes zu machen, in dem sich die Isotope lagern. Es können so kalte und auch heiße Knoten sichtbar gemacht werden. Die sogenannten kalten Knoten sind Zellbezirke, die radioaktive Substanzen nur vermindert speichern. Die heißen Knoten dagegen speichern vermehrt radioaktive Substanzen und heben sich deshalb vom umgebenden Gewebe ab. Das macht sich in einem Szintigramm bemerkbar, bei dem diese Substanzen zur Darstellung des Schilddrüsengewebes gespritzt werden. Kalte Knoten zeichnen sich hell ab, heiße Knoten dunkel.

 

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Therapie
Drei Verfahren stehen zur Auswahl. Es stehen drei Behandlungsverfahren zur Verfügung:
  • Thyreostatische Therapie
  • Radiojodtherapie
  • Operative Therapie

 

Medikamente sollen die Menge der Hormone verringern. Thyreostatika werden zur Therapie der Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt. Medikamente dieser Gruppe unterdrücken die Hormonbildung bzw. die Hormonfreisetzung. Folgende Wirkstoffe können eingesetzt werden:
  • Perchlorat-Ionen = die Aufnahme von Jodid in die Schilddrüse wird verhindert.
  • Thiouracile und Mercaptoimidazol-Derivate = die Umwandlung von Jodid in Jod und damit der Einbau von Jod in die Vorstufen der Schilddrüsenhormone wird verhindert.
  • Jodid-Ionen und Jod-Kaliumjodid = die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen wird kurzfristig gehemmt.

 

Die Therapiedauer ist unterschiedlich. Die Dauer der Thyreostatika-Therapie läßt sich nicht vorhersehen, weil die Wirkung individuell sehr unterschiedlich ist. In der Regel wird ein Jahr, aber nicht länger als zwei Jahre behandelt.

 

Die Radiojodtherapie gehört in Spezialistenhand. Die Radiojodtherapie kann nur in bestimmten Zentren stationär durchgeführt werden. Die Dauer der Therapie liegt bei 5 bis 10 Tagen. Die Wirkung tritt erst nach 6-12 Wochen ein. Es müssen Kontrollen durchgeführt werden. Durch die geringe Anzahl an Therapieplätzen wird die Indikationsstellung zur Radiojodtherapie in Deutschland sehr eingeschränkt. Bei der Radiojodtherapie wird Schilddrüsengewebe durch die Strahlung des Radiojods zerstört. Die Effekte dieser Therapie sind irreversibel. Die Therapie ist kostengünstig und gilt als sicheres Verfahren, ohne Risiken für den Betroffenen.

 

Operationen sind nur unter bestimmten Bedingungen durchführbar. Ein operativer Eingriff darf erst vorgenommen werden, wenn der Patient im Vorfeld durch Medikamente so eingestellt wurde, daß sein Schilddrüsenhormonstoffwechsel normal (euthyreot) verläuft. Ist die medikamentöse Langzeittherapie erfolglos, wird eine Operation in Betracht gezogen. Der Vorteil einer Operation besteht darin, daß der Erfolg schnell und sicher ist. Der Nachteil besteht in dem Operationsrisiko, Nachblutungen und einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse sowie in einem Rückfall, falls nicht genug Gewebe entfernt wurde. Es kann auch zu einer Schädigung der Stimmbänder kommen.

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